Inselbetrieb
Was versteht man unter Inselbetrieb?
Inselbetrieb bezeichnet eine Stromversorgung, die ihr eigenes Netz bildet und dabei ohne das öffentliche Verbundnetz auskommt. Spannung und Frequenz erzeugt die Anlage selbst. Dauerhaft macht das eine Off-Grid-Anlage auf der Berghütte oder im Wohnmobil, zeitweise ein Hausspeicher mit Ersatzstromfunktion, der nach einem Blackout weiterversorgt.
Inselbetrieb, Netzparallelbetrieb und Ersatzstrom im Vergleich
Der Begriff taucht in zwei sehr verschiedenen Zusammenhängen auf: als Dauerzustand einer netzfernen Anlage und als Ausnahmezustand am Hausanschluss. Das Gegenstück zu beiden ist der Netzparallelbetrieb, in dem praktisch jede Photovoltaikanlage ihr Leben verbringt.
| Merkmal | Netzparallelbetrieb | Zeitweiser Inselbetrieb (Ersatzstrom) | Dauerhafte Inselanlage |
|---|---|---|---|
| Netzanschluss | vorhanden und aktiv | vorhanden, im Ausfall getrennt | keiner |
| Wechselrichter | netzgeführt | netzbildend und umschaltbar | netzbildend |
| Spannung und Frequenz | gibt das Verbundnetz vor | bildet die Anlage selbst | bildet die Anlage selbst |
| Speicher | optional | Voraussetzung | Voraussetzung, meist reichlich dimensioniert |
| Typischer Einsatz | Normalbetrieb jeder PV-Anlage | Einfamilienhaus im Stromausfall | Berghütte, Gartenhaus, Wohnmobil, Boot |
Wie eine netzferne Anlage konkret aufgebaut und dimensioniert wird, steht ausführlich unter Inselanlage mit Speicher.
Warum Inselbetrieb technisch anspruchsvoll ist
Am Netz gibt das Verbundnetz Spannung und Frequenz vor, der Wechselrichter folgt nur. Im Inselbetrieb muss das System beides selbst herstellen und stabil halten, auch wenn der Backofen zuschaltet oder die Waschmaschine anläuft. Das können nur netzbildende (inselfähige) Geräte, meist Hybrid-Wechselrichter oder Batteriewechselrichter mit Backup-Ausgang. Normale PV-Wechselrichter schalten ohne Netzreferenz ab. In kleinen 12- oder 24-Volt-Anlagen übernimmt stattdessen ein Laderegler die Regie zwischen Modul, Batterie und Wechselrichter. Ob das System nach einem kompletten Ausfall von selbst wieder hochkommt, entscheidet die Schwarzstartfähigkeit.
Wie das Haus in den Inselbetrieb wechselt
Die Umschaltung läuft automatisch ab und dauert je nach System von wenigen Millisekunden bis zu rund einer Minute:
- Der Wechselrichter erkennt den Netzausfall und trennt sich in Sekundenbruchteilen.
- Die Umschalteinrichtung koppelt das Hausnetz allpolig vom öffentlichen Netz ab.
- Der netzbildende Wechselrichter baut eigene Spannung und Frequenz auf.
- Die vorbereiteten Stromkreise gehen wieder ans Netz, meist Kühlung, Licht, Heizung, Router.
- Die PV-Anlage synchronisiert sich auf das Inselnetz und lädt den Speicher tagsüber nach.
- Kehrt das Netz zurück, prüft das System es und schaltet zurück in den Netzparallelbetrieb.
Ob dabei das ganze Haus oder nur ein Teilnetz versorgt wird, hängt vom Konzept ab. Dreiphasige Verbraucher wie Herd oder Wärmepumpe brauchen einen Wechselrichter, der auch im Inselbetrieb Drehstrom liefert.
Was im Inselbetrieb mit überschüssigem Solarstrom passiert
Im Inselbetrieb fehlt das Netz als Überlaufventil. Ist der Speicher voll und sind die Verbraucher gedeckt, muss die Erzeugung heruntergefahren werden. Größere Systeme lösen das über eine Frequenzanhebung: Der netzbildende Wechselrichter hebt die Frequenz im Inselnetz leicht an, die PV-Wechselrichter erkennen das Signal und drosseln ihre Leistung. Kleine Inselanlagen regeln direkt am Laderegler ab. Sinnvoller als Abregeln ist, den Überschuss zu verbrauchen, etwa über einen Heizstab ins Warmwasser. Ähnlich arbeitet die Nulleinspeisung im Netzparallelbetrieb.
Inselbetrieb und Sicherheit
Beim zeitweisen Inselbetrieb am Hausanschluss ist die saubere Netztrennung Pflicht. Eine Umschalteinrichtung koppelt das Haus komplett vom Netz ab, bevor die Insel startet, sonst würde die Anlage gegen das womöglich gerade reparierte Netz einspeisen und Monteure gefährden. Genau das regelt der Netz- und Anlagenschutz nach VDE-AR-N 4105. In fertigen Ersatzstrom-Paketen der Speicherhersteller steckt diese Technik bereits drin, nachrüsten lässt sie sich über einen Notstrom-Umschalter. Der Anschluss gehört in beiden Fällen in die Hand einer Elektrofachkraft.
Fragen zum Inselbetrieb
Was bedeutet Inselbetrieb bei PV-Anlagen?
Kann jeder Wechselrichter Inselbetrieb?
Was ist der Inselbetrieb bei einem Wechselrichter?
Was passiert bei einer Inselanlage, wenn der Akku voll ist?
Ist Inselbetrieb in Deutschland erlaubt?
Einordnung, keine Rechtsberatung. Ob und mit welchen Auflagen du dein Haus im Inselbetrieb fahren darfst, hängt am Anlagenkonzept, an der Anmeldung und an den technischen Anschlussbedingungen deines Netzbetreibers. Netztrennung und Umschalteinrichtung gehören in jedem Fall in die Hand einer Elektrofachkraft. Verbindlich sind allein die Auskunft deines Netzbetreibers und die geltenden VDE-Regeln. Für Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr.
Inselbetrieb steht und fällt mit dem Speicher: Er puffert die Sonne und hält das eigene Netz stabil, wenn eine Wolke kommt. Wer klein anfangen will, sammelt mit einem Balkonkraftwerk und einer Powerstation erste Erfahrung, für das ganze Haus führt der Weg über einen inselfähigen Speicher mit Ersatzstromfunktion.