Drehstrom (Dreiphasenwechselstrom)

Was ist Drehstrom?

Drehstrom ist ein elektrischer Strom aus drei phasenverschobenen Wechselströmen (L1, L2, L3), der im Haushalt üblicherweise 230 Volt zwischen Phase und Neutralleiter beziehungsweise 400 Volt zwischen zwei Phasen liefert. Drehstrom wird auch als Dreiphasenwechselstrom oder umgangssprachlich als Starkstrom bezeichnet und treibt leistungsstarke Verbraucher wie Herd, Wallbox oder Wechselrichter an.

Die drei Phasen sind jeweils um 120 Grad zueinander verschoben, sodass sich ihre Momentanwerte über den Zyklus hinweg ausgleichen. Dadurch lässt sich mit Drehstrom bei gleichem Leitungsquerschnitt deutlich mehr Leistung übertragen als mit einphasigem Wechselstrom - ein Grund, warum sowohl das öffentliche Stromnetz als auch viele Anschlüsse im Haus (Herd, Durchlauferhitzer, Wallbox, größere Wechselrichter) auf drei Phasen setzen.

Sternschaltung und Dreieckschaltung: 230 Volt und 400 Volt im Vergleich

Drehstrom liefert je nach Schaltung zwei unterschiedliche Spannungen. Welche davon ein Gerät nutzt, hängt davon ab, ob es zwischen einer Phase und dem Neutralleiter oder zwischen zwei Außenleitern angeschlossen wird:

Schaltung Spannung Anschluss Typische Geräte
Sternschaltung 230 Volt Phase (L1/L2/L3) gegen Neutralleiter (N) Steckdosen, einphasige Wechselrichter
Dreieckschaltung 400 Volt Zwei Phasen gegeneinander Herd, Durchlauferhitzer, Drehstrommotoren

Was ist eine Schieflast bei Drehstrom?

Eine Schieflast entsteht bei Drehstrom, wenn die drei Phasen unterschiedlich stark belastet werden, statt möglichst gleichmäßig. Dadurch hebt sich der Strom im Neutralleiter nicht mehr vollständig auf, was in ausgeprägten Fällen zu einer Sternpunktverschiebung und ungewollten Spannungsabweichungen an einzelnen Phasen führen kann.

In der Praxis entsteht Schieflast häufig durch einphasige Verbraucher, etwa ein einphasig ladendes Elektroauto oder einen einphasig einspeisenden Wechselrichter. Netzbetreiber begrenzen deshalb die zulässige einphasige Leistung, damit das Netz insgesamt symmetrisch belastet bleibt - größere Anlagen speisen daher in der Regel dreiphasig über Drehstrom ein.

Wo spielt Drehstrom bei Solaranlage und Speicher eine Rolle?

Ob eine PV-Anlage einphasig oder dreiphasig über Wechselrichter beziehungsweise Hybrid-Wechselrichter einspeist, entscheidet oft die Anlagengröße: Ab einer gewissen Leistung verlangen Netzbetreiber meist eine dreiphasige, also symmetrische Einspeisung über Drehstrom, um Schieflasten im Netz zu vermeiden - die genaue Grenze legt der jeweilige Netzbetreiber fest.

Auch beim Laden zeigt sich der Unterschied deutlich: Eine Wallbox mit Drehstromanschluss (meist über einen CEE- oder Typ-2-Stecker) lädt ein Elektroauto dreiphasig und damit spürbar schneller als eine einphasige Ladelösung. Bei mobiler Notstromversorgung ist es ähnlich: Größere Notstromaggregate besitzen oft einen zusätzlichen Drehstromanschluss, damit sich auch dreiphasige Verbraucher im Haus versorgen lassen. Wer selbst an 400-Volt-Leitungen arbeitet oder sie prüfen lässt, sollte zudem auf einen funktionsfähigen FI-Schalter achten, da an Drehstrom-Anschlüssen deutlich höhere Ströme fließen können als an gewöhnlichen 230-Volt-Steckdosen.

Fragen zu Drehstrom


Ist Starkstrom das Gleiche wie Drehstrom?


Ja, Starkstrom ist umgangssprachlich meist gleichbedeutend mit Drehstrom und bezeichnet denselben dreiphasigen 400-Volt-Anschluss. Der Begriff Starkstrom ist dabei kein feststehender Fachbegriff, sondern eine alltagssprachliche Bezeichnung für Drehstrom-Anschlüsse mit höherer Leistung.

Ist eine 400-Volt-Steckdose immer Drehstrom?


Ja, eine 400-Volt-Steckdose liefert praktisch immer Drehstrom, da 400 Volt die typische Spannung zwischen zwei Außenleitern eines Drehstromnetzes ist. Einphasige Steckdosen liefern dagegen die niedrigere Sternspannung von 230 Volt gegenüber dem Neutralleiter.

Warum ergeben drei Phasen bei Drehstrom 400 Volt?


Drei Phasen ergeben bei Drehstrom rechnerisch 400 Volt, weil sich die um 120 Grad verschobenen 230-Volt-Sternspannungen zwischen zwei Außenleitern zur höheren Dreieckspannung addieren (230 Volt multipliziert mit der Wurzel aus drei). Diese 400 Volt stehen deshalb zwischen zwei Phasen zur Verfügung, nicht zwischen Phase und Neutralleiter.

Kann ein 230-Volt-Gerät an einem Drehstrom-Anschluss betrieben werden?


Ja, ein 230-Volt-Gerät lässt sich an einem Drehstrom-Anschluss betreiben, sofern es an nur einer Phase gegen den Neutralleiter angeschlossen wird. Ein direkter Anschluss zwischen zwei Phasen mit 400 Volt würde das Gerät dagegen in der Regel beschädigen.

Ob einphasig oder dreiphasig: Wechselrichter und Speicher müssen zur jeweiligen Netzanbindung passen, damit die Anlage sauber und ohne Schieflast einspeist. Einen Überblick über kompakte Einstiegslösungen bietet unser Glossareintrag zum Balkonkraftwerk, weitere Fachbegriffe rund um Speicher und Solaranlage finden sich im Solarspeicher-Glossar.