Kalendarische Alterung
Was ist kalendarische Alterung?
Kalendarische Alterung ist der Kapazitätsverlust einer Batterie allein durch die Zeit, unabhängig davon, ob sie benutzt wird. Neben der zyklischen Alterung durch Ladezyklen ist sie der zweite große Verschleißfaktor: Auch ein nie benutzter Akku ist nach 15 Jahren nicht mehr neuwertig, weil die Zellchemie im Ruhezustand langsam weiterarbeitet.
Was passiert in der Zelle?
In einer Lithium-Zelle bildet sich schon beim ersten Laden eine dünne Deckschicht auf der Anode, die sogenannte SEI-Schicht. Sie wächst über die Jahre weiter und bindet dabei Lithium, das damit für die Speicherung ausfällt. Das Ergebnis ist ein schleichender Verlust an Speicherkapazität und ein langsam steigender Innenwiderstand. Von der Selbstentladung unterscheidet sich das deutlich: Selbstentladung kostet nur den aktuellen Ladestand und ist nach dem nächsten Sonnentag ausgeglichen, die kalendarische Alterung dagegen bleibt.
Was die kalendarische Alterung beschleunigt
Drei Faktoren bestimmen fast das gesamte Tempo, und zwei davon hast du selbst in der Hand.
| Faktor | Alterungsfreundlich | Alterungsfördernd |
|---|---|---|
| Temperatur | rund 10 bis 20 Grad, kühler Keller oder Nordwand | dauerhaft über 30 Grad, Dachboden oder Südwand |
| Ladezustand | mittlerer SoC, grob 30 bis 70 Prozent | wochenlang randvoll bei nahezu 100 Prozent |
| Zellchemie | LiFePO4 mit stabiler Deckschicht | NMC- und NCA-Zellen aus dem Mobilbereich |
| Aufstellort | trocken, belüftet, verschattet | direkte Sonne, Nähe zu Heizung oder Wechselrichter |
Für die Temperatur gilt eine grobe Faustregel aus der Zellchemie: Rund 10 Grad mehr Dauertemperatur können die Alterungsrate etwa verdoppeln. Deshalb entscheidet der Aufstellort oft mehr über die Lebensdauer als der Datenblattwert, für den du dich beim Kauf entschieden hast.
So hältst du die kalendarische Alterung klein
- Speicher kühl aufstellen, Keller oder Hauswirtschaftsraum statt Dachboden.
- Direkte Sonne, Heizungsnähe und schlecht belüftete Nischen meiden.
- Beim Kauf auf LiFePO4 setzen, die Chemie altert kalendarisch gnädiger.
- Dauerzustand bei 100 Prozent vermeiden, ein normaler Tageszyklus reicht.
- Bei Winterpause oder Umzug mit rund 50 Prozent Ladung einlagern.
- Kapazität einmal jährlich prüfen, etwa per Batteriemonitor.
Zeit oder Zyklen: was limitiert zuerst?
Moderne LiFePO4-Heimspeicher bringen 6.000 Zyklen und mehr mit. Bei einem Ladezyklus pro Tag reicht dieses Konto rechnerisch weit über 15 Jahre hinaus, und eine moderate Entladetiefe streckt es zusätzlich. Im typischen Hausgebrauch gibt deshalb meist die Zeit den Takt vor, nicht die Nutzung. Umgekehrt gilt: Ein heiß aufgestellter oder dauerhaft voller Speicher kippt die Rechnung wieder Richtung Kalender, weil beide Alterungsarten sich addieren.
Was das für den Speicher-Alltag heißt
Den Ladezustand managt das BMS, und der normale Tagesrhythmus mit mittags voll und morgens teilleer ist von Natur aus alterungsfreundlich. Als realistische Gesamtlebensdauer moderner LiFePO4-Heimspeicher gelten meist 15 bis 20 Jahre, danach ist der Speicher selten Schrott: Mit oft noch 70 bis 80 Prozent Restkapazität taugt er als Second-Life-Batterie im Gartenhaus oder als Notstromreserve.
Fragen zur kalendarischen Alterung
Altert ein Akku auch ohne Benutzung?
Was versteht man unter Kalenderalterung?
Wie lange ist die kalendarische Lebensdauer von LiFePO4-Batterien?
Kann ein Akku 20 Jahre halten?
Wie kann ich testen, ob ein Akku noch gut ist?
Wer die Alterung im Griff behalten will, fängt beim Speicher selbst an: Zellchemie, Aufstellort und ein sauber eingestelltes Energiemanagementsystem entscheiden darüber, wie viel vom eigenen Solarstrom in 15 Jahren noch im Haus landet.