Jahresarbeitszahl (JAZ)

Was ist die Jahresarbeitszahl (JAZ)?

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt an, wie viel Wärme eine Wärmepumpe über ein ganzes Betriebsjahr aus einer Kilowattstunde Strom gewinnt. Eine JAZ von 4 steht also für vier Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Strom. Anders als der Laborwert COP stammt die Jahresarbeitszahl aus dem echten Betrieb im Haus und umfasst Heizstab, Pumpen und Regelung.

Wie errechnet man die Jahresarbeitszahl?

  1. Die abgegebene Wärmemenge eines Jahres in Kilowattstunden ablesen (Wärmemengenzähler)
  2. Den Stromverbrauch der Wärmepumpe im selben Zeitraum ablesen (eigener Zähler)
  3. Strom des elektrischen Heizstabs mitzählen, falls er separat erfasst wird
  4. Wärmemenge durch Stromverbrauch teilen - das Ergebnis ist die JAZ
  5. Immer volle zwölf Monate betrachten, sonst verzerren Sommer- oder Winterwochen den Wert

Beispiel: 12.000 kWh Wärme geteilt durch 3.000 kWh Strom ergibt eine JAZ von 4,0. Vor dem Einbau lässt sich die zu erwartende JAZ rechnerisch abschätzen, etwa nach dem Verfahren VDI 4650. Solche Prognosen sind eine Planungsgröße, der tatsächliche Wert zeigt sich erst im Betrieb.

Was ist eine gute Jahresarbeitszahl bei Wärmepumpen?

Als Orientierung gilt: Ab einer JAZ von etwa 3 arbeitet eine Wärmepumpe solide, Werte ab 4 gelten als gut. Welcher Bereich erreichbar ist, hängt vor allem an der Wärmequelle und an der Vorlauftemperatur der Heizung.

Wärmepumpentyp Typische JAZ Passt gut zu
Luft-Wasser-Wärmepumpe meist 2,8 bis 4,2 Neubau und saniertem Bestand, geringer Einbauaufwand
Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdreich) meist 3,8 bis 4,8 Grundstücken mit Platz für Sonde oder Kollektor
Wasser-Wasser-Wärmepumpe meist 4,2 bis 5,5 Lagen mit ergiebigem, genehmigtem Grundwasser
Brauchwasserwärmepumpe grob 2,5 bis 3,5 reiner Warmwasserbereitung, oft als Ergänzung

Die Spannen sind Erfahrungswerte aus Herstellerangaben und Feldmessungen. Der eigene Wert kann je nach Gebäude, Klimazone und Einstellung darüber oder darunter liegen. Wie viel Strom dabei zusammenkommt, zeigt die Übersicht zum Stromverbrauch einer Wärmepumpe.

Was die Jahresarbeitszahl beeinflusst

Die JAZ ist keine feste Geräteeigenschaft, sondern das Ergebnis aus Wärmepumpe, Gebäude und Einstellung. Diese Stellschrauben wirken am stärksten:

Jahresarbeitszahl und COP: der Unterschied

Der COP (Coefficient of Performance) ist ein Prüfstandswert für einen einzelnen Betriebspunkt, zum Beispiel 7 Grad Außenluft und 35 Grad Vorlauf. Er eignet sich zum Vergleich von Geräten unter gleichen Bedingungen. Die Jahresarbeitszahl dagegen mittelt das ganze Jahr mit allen Temperaturen, Warmwasserzyklen und Hilfsverbrauchern. Deshalb liegt die JAZ in der Praxis meist unter dem beworbenen COP - das ist normal und kein Mangel des Geräts.

JAZ als Umrechnungsfaktor: aus Solarstrom wird Wärme

Für Betreiber einer Photovoltaikanlage ist die Jahresarbeitszahl vor allem eines: der Hebel, mit dem eine Kilowattstunde Sonnenstrom zu mehreren Kilowattstunden Wärme wird. Bei einer JAZ von 4 werden aus 1.000 kWh selbst erzeugtem Strom rund 4.000 kWh Wärme - Energie, die sonst zugekauft werden müsste.

Genau hier entsteht der Reiz der Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik: Der teuerste Anteil an der Wärme ist der Strom, und den liefert das eigene Dach anteilig selbst. Ein Energiemanagementsystem schiebt die Wärmepumpe gezielt in die Mittagsstunden, wenn Überschuss anliegt, und lädt Puffer- oder Warmwasserspeicher vor. Wie stark das den Zukauf senkt, hängt von Anlagengröße, Verbrauchsprofil und Wetter ab und lässt sich am besten über den Autarkiegrad beobachten. Weitere Wege, den eigenen Strom im Haus zu halten, sammelt der Ratgeber zum PV-Überschuss nutzen.

Fragen zur Jahresarbeitszahl


Ist eine JAZ von 4 gut?

Ja, eine JAZ von 4 ist ein guter Wert. Die Wärmepumpe macht dann aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme. Luft-Wasser-Geräte erreichen diesen Bereich meist in gut gedämmten Gebäuden mit Flächenheizung, Erdreich- und Grundwasser-Wärmepumpen häufig auch im sanierten Bestand.

Ist eine JAZ von 4,5 gut?

Eine JAZ von 4,5 gilt als sehr guter Wert und wird vor allem von Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen erreicht. Voraussetzung sind niedrige Vorlauftemperaturen, eine sauber eingestellte Heizkurve und ein geringer Anteil des elektrischen Heizstabs am Jahresverbrauch.

Welche Jahresarbeitszahl ist realistisch?

Realistisch sind bei Luft-Wasser-Wärmepumpen meist Jahresarbeitszahlen zwischen 2,8 und 4,2, bei Sole-Wasser-Geräten oft 3,8 bis 4,8. Entscheidend ist weniger das Datenblatt als die Vorlauftemperatur im Haus: Flächenheizungen liefern hohe Werte, alte Heizkörper mit hoher Vorlauftemperatur drücken die JAZ.

Einordnung, keine Rechtsberatung. Förderprogramme knüpfen Zuschüsse für Wärmepumpen häufig an nachgewiesene Effizienzwerte, und sowohl die Anforderungen als auch die Nachweisverfahren ändern sich laufend. Welcher Wert für dein Vorhaben zählt und wie er zu belegen ist, sagt verbindlich nur die Förderstelle beziehungsweise ein Energieberater. Für Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr.

Je höher die Jahresarbeitszahl, desto mehr Wärme steckt in jeder selbst erzeugten Kilowattstunde - und desto größer der Hebel des eigenen Solarstroms. Wer diesen Strom auch abends in die Wärmepumpe schicken will, braucht Speicher: Ein Balkonkraftwerk deckt die Grundlast, ein Stromspeicher verschiebt den Mittagsüberschuss in die Abendstunden.

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