Überspannungsschutz (PV)
Was ist ein Überspannungsschutz bei PV-Anlagen?
Ein Überspannungsschutz bei PV-Anlagen ist eine Schutzvorrichtung, die kurzzeitige Spannungsspitzen durch Blitzeinschläge oder Schaltvorgänge im Netz ableitet, bevor sie Wechselrichter, Speicher oder andere Elektronik beschädigen. Die Geräte, auch SPD (Surge Protective Device) genannt, sitzen typischerweise auf der AC- und der DC-Seite der Anlage und leiten überschüssige Energie sicher zur Erde ab.
Wie funktioniert der Überspannungsschutz?
Im Normalbetrieb bleibt ein Überspannungsschutz hochohmig und beeinflusst die Anlage nicht. Steigt die Spannung durch einen nahen Blitzeinschlag oder eine Schalthandlung im Netz kurzzeitig stark an, schaltet das Bauteil durch und leitet den Spannungsimpuls über den Schutzleiter zur Erde ab. Danach kehrt es automatisch in den hochohmigen Ruhezustand zurück - ein mehrfacher Einsatz ist bei den meisten Geräten möglich, solange die Ableitkapazität nicht überschritten wird.
Überspannungsschutz Typ 1, Typ 2 und Typ 3 im Vergleich
| Typ | Schützt vor | Typischer Einsatzort |
|---|---|---|
| Typ 1 (Blitzstromableiter) | Direktem oder nahem Blitzeinschlag | Hauptverteilung bei vorhandenem äußerem Blitzschutzsystem |
| Typ 2 (Überspannungsableiter) | Induzierten Überspannungen aus Netz und Umgebung | Generatoranschlusskasten, Wechselrichter-Eingang, Zählerschrank |
| Typ 3 (Feinschutz) | Verbleibenden Spannungsspitzen | Direkt vor empfindlichen Endgeräten, etwa Monitoring-Elektronik |
Für die meisten Wohngebäude reicht ein Kombigerät aus Typ 1 und Typ 2 auf der DC-Seite. Ist bereits ein äußerer Blitzschutz am Gebäude vorhanden, kommt oft zusätzlich Typ 1 auf der AC-Seite hinzu.
Wo wird der Überspannungsschutz eingebaut?
DC-seitig sitzt der Überspannungsschutz meist im Generatoranschlusskasten oder direkt am Eingang des Wechselrichters, möglichst nah an den Solarkabeln, um die Schutzwirkung der langen DC-Leitungen zu erhalten. AC-seitig wird er üblicherweise im Zählerschrank oder in der Unterverteilung nach den einschlägigen VDE-Normen für die Elektroinstallation eingebaut. Ergänzend sorgt ein korrekt dimensionierter FI-Schalter für den Personenschutz - beide Schutzeinrichtungen ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht gegenseitig.
Ist ein Überspannungsschutz für PV-Anlagen Pflicht?
Ob ein Überspannungsschutz verpflichtend ist, hängt von der baulichen Situation ab: Ist bereits ein äußeres Blitzschutzsystem vorhanden oder ergibt eine Risikoanalyse eine erhöhte Gefährdung, kann die Installation verbindlich vorgeschrieben sein. In vielen anderen Fällen ist er zwar nicht zwingend gesetzlich gefordert, wird aber von Netzbetreibern, Herstellern und Versicherungen häufig empfohlen oder sogar vorausgesetzt.
Einordnung statt Installationsberatung: Ob im konkreten Einzelfall eine Pflicht besteht und welche Normen gelten, kann verbindlich nur die ausführende Elektrofachkraft oder der zuständige Netzbetreiber klären - dieser Beitrag ersetzt keine fachliche Beratung vor Ort.
Wie wird ein Überspannungsschutz nachgerüstet?
- Bestehende Elektroinstallation und vorhandenen Blitzschutz von einer Elektrofachkraft prüfen lassen
- Risiko einschätzen: Blitzhäufigkeit der Region, Gebäudehöhe und Leitungslängen einbeziehen
- Passenden SPD-Typ für AC- und DC-Seite auswählen, meist als Kombigerät Typ 1+2
- Einbau im Generatoranschlusskasten beziehungsweise Zählerschrank durch die Fachkraft vornehmen lassen
- Funktion prüfen und die Nachrüstung im Rahmen der Anlagendokumentation festhalten
Fragen zum Überspannungsschutz
Ist ein Überspannungsschutz bei PV-Anlagen Pflicht?
Wo wird der Überspannungsschutz bei PV-Anlagen eingebaut?
Welchen Überspannungsschutz braucht eine PV-Anlage?
Benötigen Solaranlagen einen Überspannungsschutz?
Ob beim Nachrüsten eines Solarspeichers oder eines Balkonkraftwerks: Der Überspannungsschutz sollte bei jeder Erweiterung der PV-Anlage mitgedacht werden, da er am Ende die teuersten Bauteile der Anlage schützt.