Redispatch
Was ist Redispatch?
Redispatch ist eine kurzfristige Anpassung der Kraftwerksleistung auf Anweisung des Übertragungsnetzbetreibers, mit der Engpässe im Stromnetz vermieden werden. Dabei drosselt ein Kraftwerk vor einem überlasteten Leitungsabschnitt seine Einspeisung, während ein anderes dahinter mehr Strom liefert - die insgesamt eingespeiste Menge bleibt dabei konstant.
Der Begriff stammt vom "Dispatch": der Einsatzplanung, mit der Kraftwerksbetreiber ihren Fahrplan für den Folgetag beim Netzbetreiber anmelden. Zeigt die anschließende Netzberechnung eine drohende Überlastung, greift der Netzbetreiber mit dem Redispatch kurzfristig korrigierend ein.
Wie läuft ein Redispatch ab?
- Kraftwerksbetreiber melden ihren Fahrplan für den Folgetag bis 14:30 Uhr an den Übertragungsnetzbetreiber.
- Der Netzbetreiber berechnet per Lastflussberechnung, welche Leitungsabschnitte überlastet würden.
- Er wählt ein passendes Kraftwerkspärchen: eines vor, eines hinter dem Engpass.
- Das Kraftwerk vor dem Engpass drosselt seine Einspeisung.
- Das Kraftwerk dahinter erhöht seine Einspeisung um einen ähnlichen Betrag.
- Die Gesamteinspeisung im Netz bleibt so konstant, nur ihre Verteilung ändert sich.
Redispatch 2.0: Was hat sich seit 2021 geändert?
Seit Oktober 2021 gilt mit dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) die überarbeitete Fassung Redispatch 2.0. Sie bezieht deutlich mehr Anlagen ein und verteilt die Verantwortung auf mehr Netzbetreiber - dazu kommen mit dem Einsatzverantwortlichen (EIV) und dem Betreiber der technischen Ressource (BTR) zwei neue Rollen für Anlagenbetreiber.
| Redispatch (bis 2021) | Redispatch 2.0 (seit Oktober 2021) | |
|---|---|---|
| Einbezogene Anlagen | vor allem große konventionelle Kraftwerke | zusätzlich kleinere Erneuerbare-, KWK- und Speicheranlagen |
| Zuständigkeit | nur Übertragungsnetzbetreiber | auch Verteilnetzbetreiber |
| Ansatz | eher reaktiv | stärker präventiv geplant |
| Steuerung | telefonisch/manuell | zunehmend über fernsteuerbare Technik wie das Smart-Meter-Gateway |
Vor 2021 betraf Redispatch in der Regel nur größere Kraftwerke ab etwa 10 Megawatt. Mit Redispatch 2.0 rutschen grob ab 100 Kilowatt auch deutlich kleinere Anlagen ins Regime - das trifft in der Praxis vor allem größere Gewerbe- und Freiflächenanlagen, kaum eine typische Aufdach-PV mit Heimspeicher. Vom Prinzip her ähnelt das dem Gedanken hinter § 14a EnWG: Lastspitzen im Netz gezielt glätten, nur auf der Erzeugungs- statt auf der Verbrauchsseite.
Was kosten Redispatch-Maßnahmen?
Die Kosten für Redispatch-Maßnahmen werden über die Netznutzungsentgelte auf alle Stromkundinnen und -kunden umgelegt und sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, unter anderem weil mehr Wind- und Solarstrom lokale Netzengpässe verursachen kann. Genaue Summen schwanken von Jahr zu Jahr deutlich und hängen unter anderem vom Wetter, vom Netzausbau und von der Zahl der Eingriffe ab - feste Beträge lassen sich daher seriös kaum vorhersagen.
Fragen zu Redispatch
Was ist Redispatch einfach erklärt?
Was sind Redispatch-Kosten?
Wer bezahlt die Redispatch-Kosten?
Was ist Redispatch in Deutschland?
Steigende Redispatch-Kosten zeigen, wie stark schwankende Solar- und Windeinspeisung das Netz fordert - ein Trend, der sich langfristig in den Netzentgelten niederschlägt. Ein eigener Batteriespeicher wirkt dem im Kleinen entgegen: Er speichert überschüssigen Solarstrom direkt vor Ort statt ihn unkontrolliert ins Netz zu drücken, glättet die eigene Einspeisung ähnlich wie beim Peak Shaving und erhöht nebenbei den eigenen Autarkiegrad. Wer zusätzlich mit einem Balkonkraftwerk einsteigt, profitiert vom gleichen Prinzip im Kleinformat.