Ferraris-Zähler

Was ist ein Ferraris-Zähler?

Ein Ferraris-Zähler ist der klassische analoge Stromzähler mit der markanten Aluminium-Drehscheibe hinter Glas. Er misst den Verbrauch rein elektromechanisch: Zwei Spulen erzeugen ein Magnetfeld, das die Scheibe proportional zur bezogenen Leistung antreibt, und ein mechanisches Rollenzählwerk zählt die Umdrehungen in Kilowattstunden. Benannt ist er nach dem Physiker Galileo Ferraris.

Wie funktioniert die Drehscheibe technisch?

Im Inneren sitzen eine Stromspule und eine Spannungsspule, deren Wechselfelder ein magnetisches Drehfeld erzeugen. Dieses Feld induziert Wirbelströme in der Aluminiumscheibe und versetzt sie wie einen kleinen Asynchronmotor in Rotation. Je höher die aktuell bezogene Leistung, desto schneller dreht sich die Scheibe. Eine Wirbelstrombremse sorgt dafür, dass die Drehzahl exakt proportional zur Wirkleistung bleibt, sodass jede Umdrehung eine feste Energiemenge repräsentiert.

Wie liest du einen Ferraris-Zähler ab?

  1. Die schwarzen Ziffern vor dem Komma auf dem Rollenzählwerk notieren - das ist der Zählerstand in ganzen Kilowattstunden.
  2. Rot markierte Nachkommastellen zeigen Zehntel- und Hundertstel-kWh und zählen bei der Ablesung meist nicht mit.
  3. Auf dem Zählerschild die Kennzahl in "Umdrehungen pro kWh" (z. B. 75 U/kWh) suchen.
  4. Für die aktuelle Momentanleistung die Zeit für eine volle Scheibenumdrehung stoppen und mit der U/kWh-Kennzahl verrechnen.
  5. Den abgelesenen Zählerstand bei der jährlichen Ablesung an den Netzbetreiber oder Energieversorger übermitteln.

Warum ist der Ferraris-Zähler bei Photovoltaik und Balkonkraftwerk ein Thema?

Ein klassischer Ferraris-Zähler ist für den reinen Strombezug ausgelegt und kennt ursprünglich nur eine Zählrichtung. Speist eine Balkonkraftwerk- oder PV-Anlage mehr Strom ein, als gerade verbraucht wird, kann sich die Drehscheibe bei älteren Modellen ohne Rücklaufsperre entgegengesetzt drehen - der Zählerstand sinkt dann augenscheinlich, was messtechnisch nicht zulässig ist. Aus diesem Grund verlangt der Anschluss einer Solaranlage in aller Regel den Tausch gegen einen Zweirichtungszähler oder ein digitales Smart-Meter-System, das Bezug und Einspeisung getrennt erfasst und korrekt an die Einspeisevergütung anknüpft.

Ferraris-Zähler im Vergleich zu digitalem Zähler und Smart Meter

Merkmal Ferraris-Zähler Digitaler Zähler Smart Meter
Messprinzip Elektromechanisch (Drehscheibe) Elektronisch Elektronisch
Anzeige Mechanisches Rollenzählwerk Digitales Display Digitales Display + App/Portal
Zählrichtungen Meist nur eine Richtung Meist Zweirichtungsmessung Zweirichtungsmessung
Fernauslesung Nein Nein Ja, über Smart-Meter-Gateway
Eignung für PV-Anlagen Nur mit Zusatzzähler Bedingt geeignet Gut geeignet

Fragen zum Ferraris-Zähler


Hat ein Ferraris-Zähler eine Rücklaufsperre?


Ein Ferraris-Zähler hat je nach Baujahr eine Rücklaufsperre oder eben keine: Ältere Modelle ohne diese Sperre können sich bei Solareinspeisung tatsächlich rückwärts drehen, neuere Ferraris-Zähler sind meist mit einer Sperre gegen den Rücklauf ausgestattet.

Kann man erkennen, ob ein Ferraris-Zähler rückwärts gelaufen ist?


Ein rückwärts laufender Ferraris-Zähler zeigt sich meist daran, dass sich die Aluminiumscheibe bei Sonnenschein oder aktiver Einspeisung entgegen der gewohnten Richtung dreht und die Rollenziffern sinken statt zu steigen.

Bis wann müssen Ferraris-Zähler getauscht werden?


Der Austausch von Ferraris-Zählern läuft schrittweise im Rahmen des bundesweiten Messstellen-Rollouts. Diese Einordnung ersetzt keine Rechtsberatung - einen verbindlichen Termin für den eigenen Zähler nennt ausschließlich der zuständige Messstellenbetreiber.

Was kostet ein Ferraris-Zähler?


Ein Ferraris-Zähler wird bei den meisten Haushalten nicht separat gekauft, sondern vom Netzbetreiber gestellt. Die laufenden Kosten stecken im jährlichen Messstellenentgelt, das je nach Netzbetreiber und Zählertyp unterschiedlich ausfällt.

Vom alten Zähler zum eigenen Speicher

Ob dein Zuhause noch mit Ferraris-Zähler, digitalem Zähler oder Smart Meter misst, ändert nichts daran, wie viel Solarstrom du selbst nutzen kannst: Ein Batteriespeicher speichert überschüssige Energie für die Abend- und Nachtstunden und senkt so unabhängig vom Zählertyp den Netzbezug. Weitere Begriffe rund um Zähler, Einspeisung und Technik findest du in unserem Glossar.