Negative Strompreise
Was sind negative Strompreise?
Negative Strompreise entstehen an der Strombörse, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt und Erzeuger für die Einspeisung zahlen statt Erlöse zu erhalten. Das passiert meist bei viel Wind- und Solarstrom kombiniert mit geringem Verbrauch, etwa an Feiertagen. Seit 2008 sind negative Preise an deutschen Strombörsen möglich.
Wie entstehen negative Strompreise?
Mehrere Faktoren müssen zusammenkommen, damit der Börsenpreis unter null fällt:
- Hohe Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen trifft auf vergleichsweise geringen Stromverbrauch
- Konventionelle Kraftwerke lassen sich technisch oder vertraglich nicht beliebig schnell herunterfahren
- Strom lässt sich im großen Stil kaum speichern und muss in jedem Moment einen Abnehmer finden
- Der Stromexport ins Ausland reicht nicht aus, um den Überschuss abzubauen
- Erzeuger bieten lieber einen negativen Preis, als komplett vom Netz zu gehen und Anfahrkosten zu riskieren
Wann treten negative Strompreise auf?
Negative Strompreise häufen sich an sonnigen oder windigen Tagen mit gleichzeitig niedrigem Verbrauch, besonders rund um Feiertage und am Wochenende, wenn Büros und Fabriken stillstehen. Zeitlich verschiebt sich das Muster zunehmend in die sonnenreichen Mittagsstunden, seit die Photovoltaik-Leistung in Deutschland stark gewachsen ist. In den vergangenen Jahren kamen so meist mehrere hundert Stunden pro Jahr zusammen, mit steigender Tendenz.
Wer profitiert von negativen Strompreisen?
Am stärksten profitieren Haushalte mit dynamischem Stromtarif und Smart Meter: Sie zahlen in diesen Stunden wenig bis nichts oder bekommen sogar Geld fürs Verbrauchen. Besitzer eines Batteriespeichers können zusätzlich Arbitrage betreiben und den günstigen Strom für später einspeichern, statt ihn sofort zu verbrauchen. Reine Festpreis-Kunden bemerken die negativen Preise dagegen kaum, weil ihr Tarif stundengleich bleibt.
Negative Strompreise im Überblick: wer wie betroffen ist
| Marktteilnehmer | Auswirkung negativer Preise |
|---|---|
| Verbraucher mit Festpreistarif | Kein spürbarer Effekt, Preis bleibt konstant |
| Verbraucher mit dynamischem Tarif | Zeitweise sehr günstiger oder sogar vergüteter Verbrauch |
| Speicherbesitzer mit Netzladefunktion | Zusätzliche Ersparnis durch Arbitrage möglich |
| EEG-Anlagenbetreiber ohne Speicher | Vergütung kann für die betroffenen Stunden entfallen |
| Konventionelle Kraftwerksbetreiber | Müssen für die Einspeisung zahlen statt Erlöse zu erzielen |
Was bedeuten negative Strompreise für PV-Anlagenbetreiber?
Für Anlagen mit EEG-Vergütung greift bei anhaltend negativen Preisen eine gesetzliche Regelung, nach der die Förderung für die betroffenen Stunden entfällt. Das Solarspitzengesetz hat diese Logik 2025 angepasst und auf mehr Anlagen ausgeweitet, um Lastspitzen aus der PV-Einspeisung zu glätten. Für Betreiber mit Speicher ist das vor allem ein Argument, den Solarstrom lieber selbst zu nutzen oder zeitversetzt einzuspeisen, statt ihn ausgerechnet in diesen Stunden ins Netz zu drücken.
Einordnung statt Rechtsberatung: Die genauen Regeln rund um Solarspitzengesetz und EEG-Förderung bei negativen Preisen ändern sich und wirken sich je nach Anlage unterschiedlich aus. Verbindliche Auskünfte zur eigenen Anlage geben der zuständige Netzbetreiber, der Direktvermarkter oder die Bundesnetzagentur.
Fragen zu negativen Strompreisen
Was passiert bei negativen Strompreisen?
Wie oft sind die Strompreise negativ?
Wer zahlt die negativen Strompreise?
Sind negative Strompreise gut oder schlecht?
Was bedeutet das für den eigenen Speicher?
Wer einen Solarspeicher mit dynamischer Tarifanbindung betreibt, kann Phasen negativer Strompreise gezielt zum Nachladen nutzen und macht aus einer Marktbesonderheit einen kleinen Zusatznutzen. Wie sich das systematisch über Stromspeicher-Arbitrage heben lässt, zeigt der verlinkte Beitrag.