Negative Strompreise

Was sind negative Strompreise?

Negative Strompreise entstehen an der Strombörse, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt und Erzeuger für die Einspeisung zahlen statt Erlöse zu erhalten. Das passiert meist bei viel Wind- und Solarstrom kombiniert mit geringem Verbrauch, etwa an Feiertagen. Seit 2008 sind negative Preise an deutschen Strombörsen möglich.

Wie entstehen negative Strompreise?

Mehrere Faktoren müssen zusammenkommen, damit der Börsenpreis unter null fällt:

  1. Hohe Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen trifft auf vergleichsweise geringen Stromverbrauch
  2. Konventionelle Kraftwerke lassen sich technisch oder vertraglich nicht beliebig schnell herunterfahren
  3. Strom lässt sich im großen Stil kaum speichern und muss in jedem Moment einen Abnehmer finden
  4. Der Stromexport ins Ausland reicht nicht aus, um den Überschuss abzubauen
  5. Erzeuger bieten lieber einen negativen Preis, als komplett vom Netz zu gehen und Anfahrkosten zu riskieren

Wann treten negative Strompreise auf?

Negative Strompreise häufen sich an sonnigen oder windigen Tagen mit gleichzeitig niedrigem Verbrauch, besonders rund um Feiertage und am Wochenende, wenn Büros und Fabriken stillstehen. Zeitlich verschiebt sich das Muster zunehmend in die sonnenreichen Mittagsstunden, seit die Photovoltaik-Leistung in Deutschland stark gewachsen ist. In den vergangenen Jahren kamen so meist mehrere hundert Stunden pro Jahr zusammen, mit steigender Tendenz.

Wer profitiert von negativen Strompreisen?

Am stärksten profitieren Haushalte mit dynamischem Stromtarif und Smart Meter: Sie zahlen in diesen Stunden wenig bis nichts oder bekommen sogar Geld fürs Verbrauchen. Besitzer eines Batteriespeichers können zusätzlich Arbitrage betreiben und den günstigen Strom für später einspeichern, statt ihn sofort zu verbrauchen. Reine Festpreis-Kunden bemerken die negativen Preise dagegen kaum, weil ihr Tarif stundengleich bleibt.

Negative Strompreise im Überblick: wer wie betroffen ist

Marktteilnehmer Auswirkung negativer Preise
Verbraucher mit Festpreistarif Kein spürbarer Effekt, Preis bleibt konstant
Verbraucher mit dynamischem Tarif Zeitweise sehr günstiger oder sogar vergüteter Verbrauch
Speicherbesitzer mit Netzladefunktion Zusätzliche Ersparnis durch Arbitrage möglich
EEG-Anlagenbetreiber ohne Speicher Vergütung kann für die betroffenen Stunden entfallen
Konventionelle Kraftwerksbetreiber Müssen für die Einspeisung zahlen statt Erlöse zu erzielen

Was bedeuten negative Strompreise für PV-Anlagenbetreiber?

Für Anlagen mit EEG-Vergütung greift bei anhaltend negativen Preisen eine gesetzliche Regelung, nach der die Förderung für die betroffenen Stunden entfällt. Das Solarspitzengesetz hat diese Logik 2025 angepasst und auf mehr Anlagen ausgeweitet, um Lastspitzen aus der PV-Einspeisung zu glätten. Für Betreiber mit Speicher ist das vor allem ein Argument, den Solarstrom lieber selbst zu nutzen oder zeitversetzt einzuspeisen, statt ihn ausgerechnet in diesen Stunden ins Netz zu drücken.

Einordnung statt Rechtsberatung: Die genauen Regeln rund um Solarspitzengesetz und EEG-Förderung bei negativen Preisen ändern sich und wirken sich je nach Anlage unterschiedlich aus. Verbindliche Auskünfte zur eigenen Anlage geben der zuständige Netzbetreiber, der Direktvermarkter oder die Bundesnetzagentur.

Fragen zu negativen Strompreisen


Was passiert bei negativen Strompreisen?

Bei negativen Strompreisen zahlen Stromerzeuger dafür, dass ihr Strom abgenommen wird, statt Erlöse zu bekommen. Verbraucher mit dynamischem Tarif erhalten in diesen Stunden dagegen oft Geld fürs Verbrauchen oder laden ihren Speicher besonders günstig.

Wie oft sind die Strompreise negativ?

Negative Strompreise treten unterschiedlich oft auf, mit einem klaren Trend nach oben: Je mehr Wind- und Solarleistung ans Netz geht, desto häufiger übersteigt das Angebot kurzzeitig die Nachfrage. In den vergangenen Jahren waren es meist mehrere hundert Stunden pro Jahr, Tendenz steigend.

Wer zahlt die negativen Strompreise?

Die Kosten negativer Strompreise tragen letztlich alle Stromkunden über Netzentgelte und Umlagen mit, da EEG-geförderte Anlagen ihre entgangenen Erlöse teilweise erstattet bekommen. Direkt zahlen in diesen Stunden die Erzeuger, die trotz negativer Preise weiter einspeisen.

Sind negative Strompreise gut oder schlecht?

Ja, negative Strompreise sind für flexible Verbraucher und Speicherbesitzer eine Chance, für unflexible Erzeuger dagegen ein Kostenfaktor. Volkswirtschaftlich gelten sie als Übergangssymptom eines Stromnetzes, das mit dem Ausbau von Wind und Sonne noch nicht überall flexibel genug mitwächst.

Was bedeutet das für den eigenen Speicher?

Wer einen Solarspeicher mit dynamischer Tarifanbindung betreibt, kann Phasen negativer Strompreise gezielt zum Nachladen nutzen und macht aus einer Marktbesonderheit einen kleinen Zusatznutzen. Wie sich das systematisch über Stromspeicher-Arbitrage heben lässt, zeigt der verlinkte Beitrag.

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